Ortsgeschichte

Alte Ortsansicht



Ein Dorf lebt und leidet in den Jahrhunderten zwischen 1000 und 2000

Die Anfänge des Dorfes “Adelsried“ gehen zurück auf eine große Rodungsperiode im 11. Jahrhundert.
In einem Auszug aus der Geschichte des Kgl. Bay. Amtsgerichtes Zusmarshausen, die vom Kgl. Landrichter Max Beck im Jahre 1828 erstellt wurde, kann man Rückschlüsse auf erste Besiedlungen in unserer Gegend ziehen.
Die ältesten Besitzungen des Hochstiftes Augsburgs nennt eine glaubwürdige Überlieferung „Kaiserliche Geschenke“. Dieser Forst „Rauhe Forst“ wurde wegen seiner Größe in sechs Reviere oder Forsthöfe geteilt: Ostheim (Schäfstoß) , Lüftenberg, Lindgraben, Zusmarshausen,
Werleswang und Adelsried. Auf all diesen Forsthöfen wurde ein sog. „forestarius“ und Lehenträger eingesetzt.

Aus diesen Forsthöfen entstanden dann die ersten drei Ursiedlungen: Adelhartsried (Rodung unter Bischof Adelhart), Vogtsweiler ( Villa Vogteswiler) und Ulrichsried (Ovdelrichesriet) Rodung des Bischof Ulrich. Der letzte Ort scheint in der Vergangenheit vollständig verschwunden zu sein.

Die Aufgabe dieser „forestarii“ war, die Wildnis zu beschränken und den Ackerbau hervorzubringen. Max Beck schreibt: „In einer Gegend, die jetzt noch (1828) über die Hälfte mit Wald bedeckt ist, konnte vor 800 Jahren dem Forstherrn nichts angelegener sein, als den Feldbau auf Kosten des unnützen Gehölzes emporzubringen.“ Mehrere Güter waren als bischöfliche Lehen in Händen des Adelsgeschlechtes der Schrage von Knöringen zu Emersacker. Egelolf der Schrage verkaufte 1309 mehrere Güter und eine Vogtei an das Kloster Hl. Kreuz.

Dr. Hans Eberlein notiert in seinen Beiträgen zur Heimatkunde des Landkreises Augsburg: „Der Ortsname Adelshartesriet kommt erstmals in einer Urkunde vom 23. Februar 1309 vor und wird auch noch 1463 genannt. Vocteswiler wird 1231 und noch 1463 genannt, Ulrichsried erscheint im 12. Jahrhundert und nochmal im Jahre 1316. In Urkunden tauchen interessanterweise immer wieder unterschiedliche Schreibweisen auf wie Adelzried, Adletsried, Adlatsried, und auch Unter-Adlatsried (Adelsried) zur Unterscheidung von Ober-Adlatsried dem heutigen Aretsried. Das macht es für Heimat- und Geschichtsforscher besonders mühsam.
Das Dorf Adelsried wird bis heute durch den Bach „Laugna“ in zwei Teile getrennt. Der westliche Teil beschreibt den Ortsteil Adelhartsried, der östliche und ältere den Ortsteil Vogtsweiler.


Als Besitzer und Lehensgeber traten also auf: das Hochstift zu Augsburg für Adelhartesried, das Benediktinerstift St. Ulrich und Afra für Ulrichsried und das Augustiner Chorherrnstift Hl. Kreuz für Vogtsweiler. Daneben gab es noch zwei Augsburger Patrizierfamilien: die Portner und die Sulzer.

Der Ortsteil Kruichen war über viele Jahrhunderte der bedeutendere Gemeindeteil. Das verwundert auch nicht, lag es doch an einer wichtigen Wegekreuzung. Hier trafen sich die Kauf- und Fuhrleute und Kuriere. Sie waren auf dem Weg von Augsburg nach Dillingen oder auf dem Weg aus dem Rothtal (Horgau, Zusmarshausen) in das Lechtal (Gablingen). Deshalb entstand an dieser Stelle auch sehr bald eine Gaststätte, in der man nicht nur Rast machte sondern auch Erlebnisse, Ereignisse, Meinungen und allerhand Neuigkeiten austauschte.

Im Mittelalter tauschten und verkauften die Grundherren Besitzungen und ganze Dörfer mit dem Ziel, zersplitterte Besitzungen zu größeren Einheiten zusammenzufassen oder abzurunden. So tauschte das Hochstift Augsburg im Jahre 1617 seine Besitzungen im unteren Dorf gegen solche in Göggingen, Honsolgen und Oberostendorf (Landkreis Ostallgäu). Dadurch wurde das Kloster Hl. Kreuz zum alleinigen Besitzer von Adelsried. Es stellte sich die Frage: warum hat dies das Hochstift veranlasst? Diese neuen Besitzungen des Bischofs lagen im Süden von Augsburg und auf dem Weg zu seinem Sommersitz in Füssen. Vermutlich wollte er freie Durchfahrt dorthin haben und Unannehmlichkeiten wie Zahlung von Wegerechten oder auch Zöllen entgehen.

Das Leben im Mittelalter auf den kleinen Dörfern war geprägt von Einfachheit, Armut und Eintönigkeit und aus der heutigen Betrachtung kaum mehr vorstellbar. Als Behausungen standen meist nur stroh- und schilfgedeckte Häuser mit wenigen Räumen zur Verfügung. Diese waren in Ständerbauweise (Fachwerk) ausgebildet. Das Gefache wurde mit Weidenruten, Stroh, Kuhdung und Lehm ausgefüllt. Im Haus stand meist nur eine einzige Feuerstelle, die hauptsächlich zum Kochen genutzt wurde. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts lösten gebrannte Ziegel und Platten die Stroheindeckung ab. Ausschlaggebend dafür waren auch Forderungen der Brandversicherung, denn dem Feuer fielen häufig nicht nur einzelne Gebäude, sondern oft auch ganze Straßenzüge zum Opfer.
Blickt man auf tausend Jahre Adelsried zurück, so hat die Geschichte dem Dorf wohl keine prägenden Ereignisse gebracht, die in Geschichtsbüchern nachzulesen wären. Es lebten aber über die Jahrhunderte Menschen hier, die stets versucht haben, mit ihrer Arbeit zu überleben. Ihre tägliche Nahrung haben sie größtenteils aus der Landwirtschaft gewonnen, wobei Sparsamkeit immer oberstes Prinzip war. Das Leben und Überleben hatte wenig damit zu tun, wie wir es heute oft bei mittelalterlichen Festen erleben. Es gab keine Bratwürste, Steaks und Pommes frites. Die Kartoffel kam erst im 18. Jahrhundert durch Friedrich den Großen nach Deutschland. Hauptnahrungsmittel waren Milch und Speisen aus Getreide. Fleisch kam höchstens einmal in der Woche oder gar nur an hohen Festen auf den Tisch.

Ähnlich verhielt es sich mit der Kleidung. Im Mittelalter waren die Menschen weit davon entfernt in Tracht aufzutreten. Es gab weder bestickte hirschlederne Hosen noch verschieden farbige Dirndl. Trachten, wie wir sie heute kennen, waren eine Erscheinungsform erst ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach der Gründung des Königsreiches Bayern (1806) empfahl der erste Bayerische König Maximilian I. den Bayerischen Gebirgsschützen eine besondere Kleidung (Schützentracht), um eine Zugehörigkeit und Identifikation mit ihrer Heimat herzustellen.

Auf dem Land herrschte einfache Leinen- und Wollkleidung vor. Diese konnte selbst aus dem Flachsanbau und der Schafzucht in Heimarbeit, vor allem während Winterszeit, produziert werden. Nur in den Städten kleideten sich die Patrizier und reichen Kaufleute in Samt, Seide und Brokat. Daneben gab es aber auch dort sehr arme Bevölkerungsschichten.

Adelsried war in früheren Jahrhunderten zwar nie Kriegsschauplatz für große, die Geschichte beeinflussende Auseinandersetzungen. Es zogen aber immer wieder fremde Soldatenheere durch das Dorf und die Umgebung, um ihre Konflikte an Donau, Lech und auch im Rothtal häufig sehr blutig auszutragen. Zu diesen Zeiten litten die Menschen stets große Not und lebten in Angst und Schrecken, denn die Soldaten raubten zu ihrem eigenen Überleben die Häuser aus, vertrieben oder ermordeten die Bewohner oder zündeten deren Häuser an. Nachweislich waren viele Dörfer, wie auch Adelsried, nach dem 30-jährigen Krieg (1648) völlig ausgestorben. Ursachen waren dafür marodierende Soldaten, aber auch Krankheiten wie Pest und Cholera und unsägliche Hungersnöte. Das Mittelalter, oder auch die sog. „gute alte Zeit“, war aus heutiger Sicht alles andere als schön, angenehm oder gar friedlich.

Interessanterweise wurden nach Ende des 30-jährigen Krieges (1648) in den Dörfern Menschen und kinderreiche Familien aus Tirol, Kroatien und der Schweiz angesiedelt. In Tirol führte der blühende venezianisch-oberdeutsche Handel und der Bergbau (Silber, Kupfer, Blei, Messing) vor allem im 15. und 16. Jahrhundert zu einem enormem Bevölkerungswachstum. Nach dem Zusammenbruch dieser Wirtschaftszweige ab Ende des 16. Jahrhunderts, kam es zu einer Migrationswelle in die vom Krieg zerstörten Gebiete Süddeutschlands. Nachweislich siedelten sich in Adelsried Menschen aus Tirol und der Steiermark an. Den Namen wie Moser und Werscher aus der Steiermark, Leichtner aus Salzburg, Widmann, Dratenbacher und Muschele aus Tirol gilt es nachzuforschen, und deren Nachkommen aus den Jahren 1666 – 1696 bis heute zu dokumentieren.

Den Grundherren kam diese Entwicklung gerade gelegen. Aus beiderseitigem Interesse und zu deren Nutzen machten die Neusiedler aus dem zerstörten und verwüsteten Land wieder fruchtbaren Boden und lebenswerte Siedlungen. Das neu gewonnene Lebensgefühl kam auch in größeren Bauwerken, die oft mit großen gemeinschaftlichen Anstrengungen verbunden waren, zum Ausdruck. Mit der aufkommenden Barockzeit legte man die Schrecken des großen Krieges ab und dokumentierte eine neue, von der Religion geprägte Lebensfreude. Prächtige Neubauten von Kirchen entstanden, so auch in Adelsried im Jahre 1735.

Die Säkularisation im Jahre 1803 brachte für die in vorwiegend landwirtschaftlichen Anwesen arbeitenden Menschen große Veränderungen. So wurde die Abhängigkeit von Grundherrn abgelöst und eigener Landbesitz konnte erworben werden. Im Urbar von 1835 und von 1865 ist gut nachvollziehbar, wie sich die Eigentumsverhältnisse verschoben. Ständige Käufe und Verkäufe von Grundstücken und Hofstellen, Besitzteilungen und -auflösungen stellen Heimatkundler und Forscher vor große Herausforderungen.

(Text: Friedrich Geiger)



Die politische Gemeinde Adelsried in ihrer heutigen Struktur besteht aus der Gemeinde Adelsried und den ehemals selbständigen Siedlungen Kruichen und Engelshof.


Entstehung des Adelsrieder Beckens

Alle unsere Täler sind Zeugnisse fortlaufender ausräumender Vorgänge die besonders während der Kaltzeiten gewirkt haben.
Dabei entstanden nicht nur langgestreckte Talzüge sondern bestimmte Bereiche wurden schüssel -oder beckenförmig erweitert. Solche „Ausräumungslandschaften“ geben dem Landkreis ein besonderes Gepräge.

Die Ausräumungslandschaft um Adelsried tritt als auffälliges von Wäldern umgebenes Rodungsgebiet hervor. Durch diesen Kranz der Waldhöhe entsteht fürs erste der Eindruck eines Beckens. Die Laugna entspringt südlich der Autobahn und entwässert die Ausräumungslandschaft. Das Becken hat aber in seinem Inneren durchaus keinen flachen Boden sondern zeigt das Gepräge eines in den Sanden der Oberen Süßwassermolasse ausgebildeten Hügellandes mit Erhebungen wie dem Hasenberg, Guggenbühel und Tannenlohe.
Vom Norden über Osten nach Südosten tragen die umgebenden Höhen ältespleistozäne, frühbiberkaltzeiliche Ur-Iller-Schotter. Die höchsten und damit ältesten liegen im Norden auf dem Staufenberg. Etwas jüngere sind auf dem Axtesberg und der Hafendecke im Westen, dem Reitenberg im Südosten und auf dem Pfannenberg im Süden anzutreffen.

Allgemein sind Kuppen und Hänge mit Fließerdedecken überdeckt in denen zuweilen umgelagerte Gerölle auftreten. Funde windgeschliffener Gesteine oder Windkanter bezeugen auch hier die Arbeit sandbeladener heftiger Stürme bei Vegetationslosigkeit unter kaltzeitlichem Klima.


Tongruben

Tonabbau in Ton- oder Hafnergruben durch Hafner in Adelsried: Im Hafnergehau und am Reitenberg

Woraus bestehen die Hafnererden?

Diese als Hafnererden bezeichneten Sedimente sind ein Gemisch aus Gesteinsabrieb und Tonen aus verwitterten Feldspäten. Sie müssen kalkfrei oder in hohem Maße kalkarm sein. Das beim Transport im fliessenden Wasser durch Abrieb aus verschiedenen Gesteinen hervor gegangenen Material kann während des Tertiärs und Quartärs abgesetzt worden sein. Der aus verwitterten Feldspäten entstandene Ton mit den Tonmineralen hat sich im wesentlichen nur während des feuchtwarmen Klimas im Tertiär gebildet. Er ist oft in die Sande der Oberen Süßwassermolasse eingelagert.

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