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Gewaltschutz, Drei-Stufen-Plan
Beschreibung

Konzept „Bayern gegen Gewalt“ und die Umsetzung im 3-Stufen-Plan

Gewalt loswerden und gewaltlos werden: Darum geht es bei dem Konzept zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention. Das Konzept beinhaltet Ziele und Maßnahmen von der Aufklärung und der Sensibilisierung über zielgruppenspezifische Beratungs- und Hilfeangebote bis zur Hilfe für Betroffene und der Arbeit mit Täterinnen und Tätern, um weitere Gewalttaten zu vermeiden. Die Maßnahmen sind in einen 3-Stufen-Plan gegliedert, mit dem das Hilfesystem für von Gewalt betroffene Personen in Bayern ausgebaut wird. Er beruht zu einem wesentlichen Teil auf den Erkenntnissen der im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales sorgfältig ausgewerteten Studie zur Bedarfsermittlung zum Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder in Bayern aus dem Jahr 2016 sowie den Ergebnissen einer daraufhin eingesetzten Arbeitsgruppe, die bis 2018 tagte.

Die Stufen 1 (Umsetzung bereits 2018) und 2 (Umsetzung seit 2019) bilden die Basis des 3-Stufen-Plans und umfassen Maßnahmen, die dazu dienen, das Hilfesystem für von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder zu verbessern. Stufe 3 (Umsetzung seit 2019) beinhaltet langfristige, breiter angelegte Maßnahmen als Ergänzung zu den bisher bestehenden Hilfs- und Beratungsangeboten. Es geht dabei auch um weitere Zielgruppen sowie Gewaltformen und –orte, damit möglichst langfristig und praxisnah neue Entwicklungen und Ausprägungen von Gewalt frühzeitig erkannt und optimal entgegengesteuert werden können.

Eine Milieustudie zum Gewaltbegriff ermittelt weiteren zielgruppengenauen Handlungsbedarf.

Die interministerielle Arbeitsgruppe zum Gewaltschutz- und Gewaltpräventionskonzept hat seit Mai 2019 regelmäßige Zusammenkünfte.

Flankiert werden die Maßnahmen durch eine öffentlichkeitswirksame Sensibilisierungskampagne zum Thema häusliche Gewalt.

Online-Portal www.bayern-gegen-gewalt.de

Mit dem Ziel, die staatlichen und nichtstaatlichen Angebote zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention in Bayern für die breite Öffentlichkeit, von Gewalt betroffenen Personen sowie Fachkräften zugänglich zu machen, wurde das Online-Portal www.bayern-gegen-gewalt.de entwickelt. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden besonderen Dringlichkeit, Angebote bekannt zu machen, ist das Infoportal kurzfristig Mitte April mit dem Schwerpunkt „Häusliche Gewalt“ online gegangen. Neben zentralen und lokalen Anlaufstellen für Betroffene und deren Umfeld bietet die Website auch FAQs zum Thema „Corona und Gewalt“, Tipps zur Gewaltprävention und Link-Empfehlungen.

Die Erweiterung um weitere Gewaltformen sowie Hilfs- und Unterstützungsangeboten ist in Bearbeitung. Das Online-Portal bietet vertiefende Informationen zur Sensibilisierung, Links zu bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten für unterschiedlichste Gewaltformen. So können sich alle Nutzergruppen jederzeit und überall einfach und unbürokratisch informieren und geeignete Hilfeangebote finden.

Hilfesystem für von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder

Die Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Hilfesystems für von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder auf Stufe 2 wurden bereits weitgehend umgesetzt:

  • Mit einer neuen Förderrichtlinie (Richtlinie zur Förderung zusätzlicher Frauenhausplätze sowie zur Anpassung von Frauenhausplätzen an besondere Bedarfe) wird ein zeitlich befristeter finanzieller Anreiz zur Schaffung neuer Frauenhausplätze und zur bedarfsgerechten Umgestaltung vorhandener Plätze geschaffen. Die Richtlinie ist am 1. September 2019 in Kraft getreten.
  • Die Personalschlüssel und die staatlichen Förderbeträge sowohl für die Frauenhäuser als auch für die Fachberatungsstellen/Notrufe wurden zum 1. September 2019 erhöht. Darüber hinaus wurden neue Personalschlüssel eingeführt. Hierfür wurde die bereits bestehende Förderrichtlinie (Richtlinie für die Förderung von Frauenhäusern, Fachberatungsstellen/Notrufen und angegliederten Interventionsstellen in Bayern) angepasst.
  • Zusätzlich werden Second-stage-Projekte nach und anstatt dem Aufenthalt in einem Frauenhaus erprobt. Hier geht es um Frauen und ihre Kinder, die den hohen Schutz und die intensive psychosoziale Beratung im Frauenhaus nicht (mehr) benötigen. Inhalt der Modellprojekte ist neben der Nachbetreuung der Frauen nach der Akutphase ein begleitendes Management für den Übergang in eine eigene Wohnung mit Wohnraumakquise und -vermittlung.
  • Gefördert wird auch die landesweite Koordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt, angesiedelt beim Landesverband Bayern der Freien Wohlfahrtspflege. Sie hat am 1. Oktober 2019 ihren Betrieb aufgenommen. Damit wird insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefördert und eine Weiterentwicklung der Hilfsangebote an sich ändernde Bedarfe unterstützt. Die Koordinierungsstelle gibt außerdem fachlichen Input und sensibilisiert die Öffentlichkeitsarbeit.
  • Ferner werden die Angebote für Opfer um Maßnahmen für Täter und Täterinnen ergänzt. Eine gute Täterarbeit kann eine Verhaltensänderung bewirken und weitere Gewalttaten verhindern. Hierfür werden zunächst in jedem Regierungsbezirk eine Fachstelle für Täterarbeit (bei Bedarf mit angegliederter Täterinnenarbeit) gefördert, in Oberbayern aufgrund der Bevölkerungsdichte zwei.

Einbettung in ein umfassendes Konzept zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention

Die Arten von Gewaltanwendung und -erfahrung sind vielfältig; sie umfassen neben den zumeist sichtbaren Gewaltformen wie körperlicher Gewalt auch die auf den ersten Blick „unsichtbaren“ Formen von Gewalt wie beispielsweise seelische; digitale oder ökonomische Gewalt, die z.B. in Verbindung mit Einschüchterung, Erpressung oder Erzeugung von Abhängigkeiten entstehen. Die Spätfolgen seelischer Gewalt zu mildern oder sogar ganz vermeiden ist Bestandteil eines neuen Modellprojekts. Genauso wichtig wie Gewaltprävention sind auch Schutz und Hilfe für Opfer von Gewalt.

Das Konzept zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention umfasst alle Formen, Zielgruppen und Orte der Gewalt. Neben den oben genannten Gewaltformen werden auch Erscheinungsforme wie die zunehmenden Formen digitaler Gewalt sowie weibliche Genitalverstümmelung berücksichtigt. Zudem werden verschiedene Opfer- und Täterkonstellationen, etwa zwischen Frauen und Männern, in einem ganzheitlichen und ressortübergreifenden Ansatz beleuchtet.

Hilfesystem für von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffene Männer

In diesem Zuge wurden die Beratungs-/Präventions- und Schutzangebot für von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffene Männer und ihre Kinder in Bayern als wesentliches Element der 3. Stufe seit 2019 im Rahmen einer Modellprojektförderung auf- und ausgebaut. Zusätzlich wurden präventive Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Die entsprechenden Anlaufstellen, Ansprechpartner, Schutzwohnungen sowie die gemeinsam mit den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg betriebene Hotline für gewaltbetroffene Männer finden Sie im Online-Portal www.bayern-gegen-gewalt.de.

Präventionsnetzwerk gegen weibliche Genitalbeschneidung – female genital mutilation (FGM)

Im Rahmen der 3. Stufe wird das umfassende Konzept zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention um weitere Gewaltformen und Zielgruppen ausgebaut. Schätzungen zufolge gibt es derzeit über 70.000 Frauen in Deutschland, die von weiblicher Genitalbeschneidung betroffen und 15.000 Mädchen, die davon bedroht sind. Diesem wird in Bayern im Bereich der Prävention, Sensibilisierung und Aufklärung begegnet. Ziel ist es unter anderem, aufsuchende, niedrigschwellige präventive Beratung anzubieten sowie Runde Tische unter der Beteiligung jeweils mit dem Thema befasster Akteure vor Ort aufzubauen. Darüber hinaus ist es entscheidend, das soziale Umfeld der bedrohten oder betroffenen Frauen und Mädchen für das Thema zu sensibilisieren.

Broschüre „Bayern gegen Gewalt“

Nähere Informationen zu geplanten und bereits umgesetzten Maßnahmen finden Sie in der Broschüre „Bayern gegen Gewalt“. Unter www.bayern-gegen-gewalt.de können Sie die Broschüre mit vertiefenden Informationen herunterladen.

Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

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